Gastcheck: WindelManufaktur AI3

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Oh wow! Unser zweiter Gastartikel ist bereits fertig und wir dürfen euch heute eine ganz besondere Dame vorstellen: Charlotte von Wickelwahnsinn. Die Zusammenarbeit mit ihr war sehr entspannt und produktiv, der Kontakt (wir kennen uns ja nur übers Netz) schon wie mit einer alten Freundin 😉 . Vielen Dank liebe Charlotte, dass du uns deinen Artikel über die ManufakturWindeln* anvertraut hast, er ist ein echter Schatz und eine große Bereicherung für unseren Blog! Diese Windel hat hier bisher wirklich gefehlt und wir haben viel von deinem Artikel gelernt.

Charlotte von Wickelwahnsinn stellt sich vor:

„Ich bin Charlotte aus Linz im schönen Oberösterreich. Während und nach meinem Biologie-Studium hatte ich zahlreiche Jobs, in denen ich jedoch nie wirklich ankam. Mit der Schwangerschaft und der Geburt meines wundervollen Sohnes änderte sich mein Leben von Grund auf. Zunächst musste ich meinen Instinkt kennenlernen, „Bauchgefühl“ hatte ich wohl über die Jahre verlernt. Ich wählte einen sanften Weg der Babypflege: Keine Lotionen, kein Shampoo, nur viel Kuscheln und Stillen – auf Babys Bedürfnisse eingehen. Mich störten schon sehr bald die vielen Babyprodukte aus Plastik. Während meiner Recherche zu einem plastikärmeren Leben stieß ich auf Stoffwindeln. Da ich in der ehemalige DDR geboren wurde, kannte ich bereits die Horrorgeschichten meiner Mama und dachte: Nee, Stoffwindeln sind sicher nichts für uns! Doch dann entdeckte ich immer mehr Informationen, viele süße Fotos und beeindruckende Zahlen. Eine Tonne Müll pro Kind und Wickelzeit? Plastik, Superabsorber und Lotionen in Wegwerfwindeln? Ich las mich immer mehr in die Thematik ein und bestellte nach sechs Wochen Informationsbeschaffung meine ersten gebrauchten Stoffwindeln. Die falschen. Ich wollte ein anderes System. Damals dachte ich schon, es fehlt hier in meiner Stadt eine Stoffwindelberatung.
Also shoppte und testete ich mich durch viele Windeln, bis ich die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme und Hersteller erkannte. Im Sommer letzten Jahres wagte ich tatsächlich den Schritt, mich nach einer Stoffwindelberaterausbildung mit meinem Wickelwahnsinn selbstständig zu machen. Das ist der beste Job den ich jemals hatte!
Mein Ziel ist es, das Wickeln mit modernen Stoffwindeln in Österreich und darüber hinaus bekannter und salonfähig zu machen, alte Klischees zu widerlegen und mit Vorurteilen aufzuräumen.“

 

Über die Windelmanufaktur:

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Stephanie Oppitz ist Gründerin der WindelManufaktur* in Dresden und Entwicklerin der ManufakturWindel. Die studierte Architektin und Bauhistorikerin lebt mit ihrer Familie sehr naturverbunden und nachhaltig, kein Wunder dass sie im Laufe der Wickelzeit ihrer Kinder auch auf das Thema Stoffwindeln stieß. Leider fand sie nicht das richtige System für sich und ihre Familie, weswegen die Hobby-Näherin sich kurzerhand selbst an die Konstruktion ihrer eigenen Windel machte. Nach einem Jahr Entwicklung und Tests am eigenen Baby und Kindern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, ging die ManufakturWindel in Serie. Mehr Infos zur Geschichte der WindelManufaktur gibt es hier im Interview mit Stephanie.

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Über die ManufakturWindel:

Besonders hohen Wert legt Stephanie auf die Qualität der verarbeiteten Materialien. Daher hat es unter anderem länger gedauert, einen geeigneten Lieferanten für Baumwoll-Flanell zu finden. Ihre hohen Qualitätsansprüche sind auch der Grund, warum sie noch keine kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung) Wolle als Ausgangsprodukt für die Woll-Innenwindel benutzt.

Die WMW gibt es ausschließlich als All-In-Three (AI3) System mit Verschlussknöpfen. Stephanie wählte dieses System, da es am wenigsten Wäsche verursacht und sie im Design der Außenwindel sehr frei ist. Ein AI3 System besteht (wie der Name schon sagt) aus drei Teilen.

  • Die Außenwindel („Pant“)

Es gibt keine Stoffwindel, die individueller ist als die ManufakturWindel. Da die Außenwindel keinen Nässeschutz sondern die hübsche, tragende Schicht darstellt, können verschiedene Textilstoffe dafür verarbeitet werden. Die meisten Windeln bestehen aus (Bio-) Baumwolle*, außerdem gibt es die Windeln aus Tragetuchstoff  in Zusammenarbeit mit der Firma Oscha*. Einzigartig im Stoffwindelsektor ist die Möglichkeit, sich ein Unikat* schneidern zu lassen.

Innen sind die Außenwindeln* entweder mit Mikrofleece, Baumwoll-Sherpa oder Baumwoll-Flanell ausgekleidet. Die älteren Mikrofleece-Modelle werden seit letztem Jahr Stück für Stück auf Baumwoll-Flanell umgestellt.

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Links: Flanell; Mitte: Fleece; Rechts: Sherpa.
  • Die Innenwindel („Pouch“)

In die Außenwindel wir die wasserdichte Innenwindel* hineingeknöpft. Diese ist das Herzstück der WMW. Dabei kann man zwischen den Materialien PUL (Polyurethan Laminat) oder Wollfleece aus Merinowolle wählen. Um der Fleckenbildung vorzubeugen, sind die PUL-Innenwindeln klassisch im Braunton (außerdem laut Aussage von Stephanie: „braun altert schöner, als andere Farben“) und die Woll-Innenwindel in anthrazit/grau erhältlich. Das verwendete, hochwertige PUL ist nach CPSIA (Consumer Product Safety Improvement Art = Produktsicherheitsgesetz der USA) zertifiziert und enthält kein Blei, BPA (Bisphenol-A) oder Phtalate, überdies ist es lebensmittelecht. Die Schicht besteht aus 75 % Polyester und 25 % Polyurethan und wird komplett in den USA hergestellt.

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Die Woll-Innenwindel wird aus mulesingfreier Merinowolle gefertigt.

Merinowolle hat vielfältige Vorteile: Sie ist weich, atmungsaktiv, temperaturregulierend, selbstreinigend, kann bis zu 30 % des eigenen Gewichts aufnehmen und ist ein natürlicher Rohstoff (mehr Infos zum Thema Eigenschaften und Herstellung von Wolle hier) . Wenn die feuchte Saugeinlage entnommen wird, reicht zumeist ein Auslüften der Woll-Innenwindel bis zur Weiternutzung. Gewaschen (und anschließend gefettet) wird sie bei starker Verschmutzung oder wenn sie anfängt zu „müffeln“ (spätestens nach ca. 3 Wochen). Wollfleece ist zudem nicht so empfindlich wie gestrickte Wolle: Da Fleece bereits verdichtet ist, kann man die Innenwindel notfalls auch einmal wärmer waschen, auf jeden Fall jedoch bei 30 °C in der Waschmaschine. Auch in Bezug auf die Trocknung  ist die Woll-Innenwindel nicht so zimperlich wie ein gestricktes Wollprodukt. Um den Nässeschutz zu gewährleisten wird die Woll-Innenwindel nach dem Waschen mit einer Wollfettkur gefettet.

Wenn die Saugeinlage nass ist, kann man diese wechseln und die Innenwindel weiterverwenden. Es ist auch möglich, bei leichter Verschmutzung die PUL-Innenwindel abzuwischen oder auszuspülen, da sie sehr schnell trocknet. Das macht die WMW zu einer idealen Urlaubswindel. Eine vorgestopfte Ersatzinnenwindel ist sehr platzsparend und ideal für unterwegs.

  • Die Einlagen = („Soaker“)

Die Standardeinlage der WindelManufaktur ist die Baumwollfrotteeeinlage*. Diese besteht aus drei Schichten nach GOTS zertifizierten Biobaumwollfrottee*. Sie ist so zusammengenäht, dass sich eine besondere Form bildet (siehe Foto):

Durch ein Auffächern der Einlage werden kurze Trocknungszeiten gewährleistet und gleichzeitig kann man in die beiden Taschenöffnungen zusätzliches Saugmaterial, wie die Boostereinlage legen.

Speziell für die Stoffwindelindustrie wurde das Material Zorb™* entworfen. Dieses Faservlies wird in den USA produziert und bildet den Kern der WindelManufaktur Boostereinlage. Umhüllt wird diese stark-saugende Mikrofaser von einer Bambusviskose-/ Baumwollschicht.

Außerdem gibt es zwei weitere sehr saugstarke Einlagen der WindelManufaktur: Die Hanffleeceeinlage* und das Hanfprefold*. Beide Einlagen eignen sich optimal als Ergänzung zur Baumwollfrotteeeinlage. Hanf saugt sehr stark, aber auch sehr langsam. Darum werden die Hanfeinlagen zusammen mit schnell saugenden Materialien kombiniert, sie bestehen zu 55 % aus Hanf und zu 45 % aus Baumwolle in Bioqualität.

⇒Ich darf exklusiv verraten, dass in den nächsten Tagen neue Bambusprefolds (aus Bambusviskose, Polyester und Baumwolle) in zwei sehr interessanten Farben im Shop erhältlich sein werden ♥.

Über die Passform

ManufakturWindeln erzeugen aufgrund ihres tiefen Sitzes eher einen Entenpo, jedoch hängt die Größe des Windelpos von der Befüllung der Innenwindel ab. Wegen dem schmalen Schnitt im Schrittbereich und den tailliert geformten Einlagen, ist trotzdem die größtmögliche Beinfreiheit gewährleistet. Die hauseigenen Einlagen sind dünn, aber sehr saugstark und tragen nicht so auf wie z.B. eine Mullwindel als Saugeinlage.

Wegen dem tiefen Sitz auf der Hüfte befürchten manche Eltern ein Auslaufen der Windel, durch das richtige Anlegen der Windel sind diese Sorgen allerdings unbegründet.

Bei den meisten Stoffwindeln wird die Außenwindel bzw. Überhose an die Größe und Statur des Wickelkindes angepasst. Da jedoch nur die WindelManufaktur Innenwindel den Schambereich („Pieselzone“) bedeckt, ist es für eine Auslaufsicherheit unerlässlich entsprechende Einstellungen und Anpassungen an der Innenwindel vorzunehmen. Die Innenwindel muss die Pofalte und die Scheide bzw. den Penis komplett bedecken. Außerdem sollte man beachten, dass die Innenwindel in der Leistenfalte zu liegen kommt und dass die Ränder der Innenwindel die saugende Einlage bedecken.

Die Innenwindel ist ein sehr intelligenter Teil der ManufakturWindel. Die Größenanpassung erfolgt über zwei Nahtöffnungen, aus denen man mit Hilfe einer Stricknadel das Gummiband ziehen und mit einem Knoten enger stellen kann. Wichtig ist also der Beinabschluss, da sollte die Innenwindel straff sitzen, aber nicht einschneiden. Für kleine Jungs wird empfohlen, die Innenwindel in der größeren Einstellung zu lassen und die Windel insgesamt Richtung Bauch zu schieben, denn Jungs brauchen vor Allem vorn die Saugkraft.

Die Außenwindel hingegen muss nicht so eng um das Kind gelegt werden. Dieser Punkt macht die WMW zu unserer Lieblingswindel, wenn es um den Tragekomfort für meinen Babymann geht. Dieser kämpft regelmäßig mit Blähungen. Da die ManufakturWindel so tief sitzt und die Außenwindel auch ruhig etwas lockerer sitzen darf, wird kein zusätzlicher Druck auf seinen Bauch ausgeübt und die Winde plagen ihn weniger.

Größenübersicht:

  • Neugeborenenwindel* ca. 2 bis 5 kg, mit eigener Neugeborenen-Innenwindel.
  • Größe 1 ca. 4 bis 11 kg
  • Größe 2 ca. 9 bis 19 kg
  • Neu: Größe 1,5 exklusiv für Unikat-Anfertigung (ca. 6 bis 15 kg)

Für die Größen 1 bis 2 gibt es eine Einheits-Innenwindel. Die Einlagen der WindelManufaktur passen in alle Innenwindeln.

Aus den einschlägigen Gruppenkommentaren auf der Plattform Facebook habe ich gelesen, dass die Größe 1 oft sogar noch schmalen Kleinkindern und damit manchen Wickelkindern während der gesamten Wickelperiode passt. Mein Sohn wiegt momentan 12,5 kg und trägt Kleidergröße 92. Zum Vergleich habe ich die Größe 1 getestet (Foto oben links mit der „Gruppenwindel*„), welche ihm tatsächlich zu klein ist. Sie erzeugt ein „Maurerdekolletee“ und starke Abdrücke an den Beinen. Hingegen passt die Größe 2 perfekt (Foto „Knuddelmonster*“ oder „Oscha*“). Tagsüber stopfe ich die Windel mit einer Baumwollfrotteeeinlage. Manchmal, besonders für die Dauer des Mittagsschlafes, gebe ich eine Boostereinlage oder eine Hanffleeceeinlage dazu. So gefüllt, genügt uns die verkleinerte Einstellung.

In der Nacht braucht mein kleiner Dauerstiller ein dickeres Einlagenpaket, weswegen ich dafür die Außenwindel in der größeren Einstellung lasse. Die Innenwindel müssen wir nicht verkleinern, ihre Ränder kommen von allein sehr gut in der Leistenfalte zum Liegen.

Über die Saugfähigkeit

Die WindelManufaktur Einlagen sind sehr saugstark und müssen oft eingewaschen werden, um ihre volle Saugleistung zu erreichen. Ihre Größe ist so konzipiert, dass sie im geschrumpften, eingewaschenen Zustand perfekt in die Innenwindeln passen. Es wird für Neugeborene eine Einlagenkombination aus Hanfprefold und Waschlappen aus GOTS-zertifiziertem Baumwollfrottee* (mehr Infos zu GOTS hier) empfohlen. Wie wir die Windel tagsüber befüllen, habe ich bereits geschildert. Ich greife auch gern einmal auf andere Einlagen wie eine Prefold oder eine Bambusmullwindel zurück. Die Saugkraft ist insgesamt individuell anpassbar, somit kann man die ManufakturWindel sowohl als Tag- und Nachtwindel nutzen.

Meine Nacht-Empfehlungen für Kleinkinder und Vielpiesler:

  • 2-3 Boostereinlagen mit der Baumwollfrotteeeinlage,
  • 1-2 Boostereinlagen mit einer Baumwollfrotteeeinlage, welche ich mit einer Thirsties Hanfeinlage small ausgestattet habe,
  • Boostereinlage mit einer Bambusmullwindel.

Eine Nachtwindel für kleinere Babys würde ich persönlich mit einer Boostereinlage in der Baumwollfrotteeeinlagentasche stopfen und eine gut gefettete Woll-Innenwindel verwenden.

Über den Service

Stephanie informiert in dem Blog auf ihrer Homepage über allgemeine Stoffwindeltipps wie Waschhinweise oder neue Produkte. Zu jeder Bestellung bekommt man außerdem von der WindelManufaktur eine Datei mit Informationen zur richtigen Handhabung und Pflege der ManufakturWindel. Das sehr freundliche und flotte Kundenservice lässt keine Fragen offen. Wenn man sich mit anderen „WMW Groupies“ austauschen möchte, steht dafür sogar eine eigene Facebook-Gruppe zur Verfügung.

Über den Preis

Qualität hat ihren Preis, im Fall der ManufakturWindel durchaus berechtigt. Die Produkte werden in Dresden gefertigt, es werden hochwertige und mit Bedacht ausgewählte Materialien verwendet. Die Tragetuch-Außenwindeln (ca. 50 – 65 €)* sind natürlich hochpreisiger als die Basisdesigns (ca. 30 €)*. Für die Unikatwindeln* schickt man ein entsprechend großes Stück Stoff zur WindelManufaktur und bezahlt die Herstellungskosten (ca. 40 €). Dazu kommen noch die Kosten für die Innenwindeln und Einlagen.

Stephanie hat einige Paketvorschläge im Shop. Zum Testen empfiehlt sich ein Einsteigerpaket*. Die Paketgröße geht bis hin zum Rundum-Sorglos-Paket* welches mit Sicherheit keine Wünsche offen lässt.

Auf der Homepage findet man außerdem einen Kostenrechner, mit dessen Hilfe man sich das Sparpotenzial von Stoffwindeln ausrechnen kann. Das Besondere hier: Es wird auf Wunsch sogar der Wiederverkaufswert der Windeln einbezogen. In dem Rechenbeispiel werden 70 % des Einkaufswertes als Summe angenommen, jedoch erzielt die WMW viel höhere Wiederverkaufswerte. Ein äußerst ungewöhnliches Beispiel der WMW Design Hanami auf türkis-farbigen Hintergrund zeigt, dass gebrauchte Windeln sogar teurer verkauft werden können, als sie gekauft wurden. Das kenne ich wirklich nur von ManufakturWindeln! 😉

Resumee

Die ManufakturWindel ist rundum durchdacht und einzigartig. Bis in das kleinste Detail werden hochwertige Materialien zu einer intelligenten und wunderschönen Vollendung gebracht. Es ist ein sehr wäschesparendes System. Der hohe Einkaufspreis ist durch die Qualität und den ebenfalls sehr hohen Wiederverkaufswert gerechtfertigt. Allerdings sollte ich euch eine Information nicht vorenthalten: ManufakturWindeln sind Rudeltiere und womöglich kauft man mehr von den atemberaubend schönen Außenwindeln als erforderlich.

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