Kurzinfo Wolle

Was bedeutet „kbT“ und „GOTS“ eigentlich und ist das wichtig?

kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung)

Hinter der Bezeichnung „kbT“ steht der ökologische Landbau mit dem bekannten Biosiegel und einem langen Kriterienkatalog. Hier geht es vor allem um die Tierhaltung und weniger um ökologische Produktionsbedingungen (Färben/Waschen etc.) oder soziale Kriterien. In Bezug auf Wolle ist hier interessant, dass das Siegel zu folgenden Punkten gesetzlich verpflichtet:

  • Schafe besonders artgerecht zu halten (den Tieren wird unter anderem viel Auslauf gewährt und die Haltungsbedingungen werden regelmäßig überprüft)
  • Gentechnisch veränderte Futtermittel und Tiermehl sind verboten
  • Die Humusbildung und das Bodenleben werden gefördert. In den Feldern und Wiesen der Ökobauern sind Biomasseanteile und mikrobielle Aktivität in der Regel höher als im konventionellen Landbau. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit steigt an. Krumenverluste durch Erosion werden weitgehend vermieden.
  • Das Grasen auf Weiden, die mit künstlichem Dünger behandelt worden sind, ist für Tiere aus ökologischer Aufzucht verboten.
  • Begrenzter, streng an die Fläche gebundener Viehbesatz.
  • Fütterung der Tiere möglichst mit hofeigenem Futter, wenig Zukauf von Futtermitteln.
  • Weitgehender Verzicht auf Antibiotika.
  • Die Verwendung von Arzneimitteln ist stark dezimiert. Durch Freilauf und Weidehaltung wird das Immunsystem der Tiere gestärkt, sie sind auf natürliche Weise widerstandsfähiger gegen Parasiten.

Quelle u.a.: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Überprüft werden diese Standards von unabhängigen Kontrolleuren. Siehe ifoam.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

Das Siegel vereint drei Bereiche: ökologische und soziale Standards sowie artgerechte Haltung. Einzelne Produktionsschritte, wie beispielsweise das Färben, müssen ökologisch zertifiziert sein. Nähere Infos am besten direkt auf der Homepage von GOTS durchlesen, hier ist alles übersichtlich und ausführlich beschrieben. Noch strenger ist lediglich das Siegel IVN-Best Siegel von Naturtextil .

Leider ist die Masse der Wolle auf dem deutschen Markt alles andere als kbT und GOTS. Bei konventioneller Wolle steht artgerecht nicht an erster Stelle: Schwanzkürzen und Kastration ohne Betäubung ist bei sehr jungen Tieren noch erlaubt. Das in Deutschland verbotene Mulesing (Entfernung der Hautfalte am Schwanz um Madenbefall zu bekämpfen) wird in vielen Länder praktiziert und diese Wolle ist ganz normal bei uns auf dem Markt erhätlich. Wenn die Tiere weniger Wolle produzieren, werden sie transportiert und geschlachtet. Die meiste Wolle in Deutschland kommt aus konventioneller australischer Viehwirtschaft, in der die Schafe „nach Ablaufdatum“ nach Asien verschifft werden und das unter schlimmsten Bedingungen. Die Wolle wird außerdem mit scharfen Chemikalien gereinigt, die ins Abwasser gelangen und die dortige Umwelt stark belasten. Das ist die Masse. Das ist die Normalität.
Bei allen positiven Kriterien für Biowolle – die Tierhaltung, auch wenn sie ökologisch ist, steht immer auf Basis der Nutzung. Das sollte bei aller Begeisterung für kbT und GOTS nicht vergessen werden. Für uns ist klar: kbT bzw. GOTS sollte ein Mindeststandard sein. Alles andere ist ethisch und ökologisch nicht tragbar. Aber muss Wolle denn dann überhaupt sein? Von MUSS kann heute sicher keine Rede mehr sein, denn wir haben mittlerweile sehr gute Ersatzmaterialien. Allerdings sind diese meist nicht aus Naturfasern und auch sie werden aufwändig und mit dem Einsatz von Chemikalien hergestellt. Gerade beim Thema Baby sind wir hier etwas ambivalent eingestellt. Wenn Wolle dann kbT und möglichst als Erbstück pfleglich behandeln. Auch gibt es die Möglichkeit, recycelte Wolle zu kaufen.