Windelfrei – Eltern berichten

„Die Babyblase wird tatsächlich von Anfang an durch das unwillkürliche Nervensystem reguliert. Im ruhigen Tiefschlaf etwa bleiben Babys trocken – erst wenn sie in den leichten Schlaf auftauchen oder ganz aufwachen, entleert sich die Blase. Auch tagsüber können schon Babys den Urin für eine kurze Zeit halten.“

~Herbert Renz-Polster (mehr dazu im Artikel ‚Wie Kinder sauber werden‚)

Gastbeitrag aus der Community von Fee Carolina (Instagram).

Stoffwindeln und Abhalten gehört fast schon zusammen. Die meisten Stoffi-Eltern stolpern irgendwann darüber, sei es, weil sie davon gehört oder gelesen haben, oder weil es sich zufällig mit ihrem Baby ergeben hat. Stoffwindeln erfordern in der Regel mehr Achtsamkeit im Umgang mit den Ausscheidungen der Kinder, daher ist die „Elimination Communication“ oft einfach eine logische Kosequenz. Trotzdem klingt das ganze oft befremdlich, da die gängige Meinung eigentlich ist, dass Kinder ihre Schließmuskel unter 2 Jahren nicht unter Kontrolle hätten. Zudem wird es oft mit frühem „Töpfchentraining“ verwechselt, das ja zu Recht einen schlechten Ruf hat.

Im direkten Umfeld wird man daher gerne mal schief angeschaut, wenn man EC erwähnt. Um aber für Austausch zu sorgen und anderen Eltern Mut zu machen, es einfach mal auszuprobieren, haben wir ein paar Erfahrungsberichte gesammelt.

Wer seine Erfahrungen auch teilen möchte, darf sich gerne bei uns melden!

Carolina mit Alexander (8 Monate)

Als ich mich während der Schwangerschaft über Stoffwindeln eingelesen habe, bin ich immer wieder über ‚Elimination Communication‘ bzw. ‚Abhalten‘ gestoßen. Ich fand es spannend und einleuchtend. Aber auch unvorstellbar und entgegen allem, was ich bisher über Babys wusste. Aber irgendwas musste dran sein, wenn alle Stoffi-Mamas davon schwärmen. Ich war also hochmotiviert, das mal auszuprobieren.

Nach der Geburt wusste ich dann aber irgendwie gar nicht, wo ich da anfangen soll. Zeichen habe ich keine gesehen. Ich wusste nicht, wie ich ihn halten soll, er war so winzig und ich war noch so unbeholfen.

Also habe ich mich erst mal aufs Beobachten beschränkt. Mit fünf Wochen dann, habe ich mich das erste Mal getraut, ihn auf eine alte Rührschüssel zu halten. Ich hatte ihn im Arm liegen, so dass sein Po in die Schüssel hing (so halte ich ihn immer noch). Er hat sofort los gepinkelt! Ich war baff. So einfach soll das sein? An dem Tag habe ich es immer wieder angeboten und wir haben nur zwei Windeln gebraucht, statt vorher acht bis zehn. Wow! Am nächsten Tag lief es schon nicht mehr so gut, aber trotzdem war bei mir der Knoten geplatzt.

Da ich nie Zeichen gesehen habe, habe ich es einfach immer wieder mal angeboten, und er hat mein Angebot angenommen.

Wenn ich eh grad gewickelt oder angezogen habe, nach dem Tragen oder nach dem Aufwachen. Trotzdem hat mein Sohn rund um die Uhr Windeln getragen, daher finde ich den Begriff „Windelfrei“ auch ziemlich irreführend. Ich habe anfangs immer den Schlüssellaut „Pssssss“ gemacht und gesagt „Komm, lass uns Pipi machen“ oder „Gut hast du Pipi/Kacka gemacht!“. Inzwischen brauchen wir den Schlüssellaut gar nicht mehr. Die Position reicht ihm als Signal. Mit circa vier Monaten hat man richtig gemerkt dass er weiß, wofür die Schüssel da ist. Kurz darauf hat er zwei Wochen lang Durchfall bekommen, was im ersten Moment natürlich nervig war.

Aber in diesen zwei Wochen sind wir ein richtig gutes Abhalte-Team geworden. Seitdem geht Stuhl wirklich kaum noch in die Windel (ein Mal in den letzten zwei Monaten). Er hebt sich sein Geschäft einfach für die Schüssel auf.

Unterwegs habe ich mich noch nicht getraut, das ist aber auch in Ordnung. Viele Leute denken, dass das total aufwändig wäre und sagen „Ja, klingt nett, aber ich glaub für sowas hätte ich keine Zeit!“. Das ist Quatsch. Wickeln müsste man ja eh. Da ist es mir doch lieber, das Geschäft geht gleich in die Schüssel und ich spare mir die Stinkewindel. Wenn ich ich den Wurm abhalte, bevor ich ihm eine frische Windel anziehe, muss ich diese auch erst später wieder wechseln. Ich glaube, im Endeffekt spart es keine Zeit, kostet aber auch keine. Ob er damit früher trocken wird – keine Ahnung, ist auch egal. Aber ich setze mich automatisch intensiver mit meinem Kind auseinander. Und das finde ich wirklich schön.

Nadja mit Mael (2,5 Monate)

In der Schwangerschaft mit meiner Großen, sie ist jetzt zwei Jahre alt, bin ich auf Stoffwindeln aufmerksam geworden. Zum ersten Mal hab ich was darüber gesehen. Zufällig. Auf Youtube. Und das obwohl ich Erzieherin bin und vor meiner Elternzeit eine Krippe geleitet habe. Stoffwindeln? Sind mir nicht einmal über den Weg gelaufen. Heute frage ich mich, wie das sein kann. Aber gut. Ich war begeistert und machte schon bald die Ausbildung zur Stoffwindelberaterin. Natürlich kommt man dann auch um das Thema Windelfrei und Abhalten nicht herum. Ich hab es mit meiner Tochter versucht, als sie dann schon über ein Jahr alt war, aber so richtig funktioniert hat es nicht. Meine Tochter hatte schon verlernt eindeutige Zeichen zu geben oder ich war einfach nicht aufmerksam genug. Wahrscheinlich lag es eher an mir. Im Juli diesen Jahres kam mein Sohn zur Welt.

Als er drei Tage alt war – ich lag noch mit ihm in unserem Familienbett, denn ich wollte das Wochenbett voll und ganz auskosten – rief ich meinen Mann und meinte: „Schatz, bring mir mal ne Schüssel. Irgendeine aus der Küche.“

Er: „Wieso? Willst du jetzt etwa abhalten? Meinst du das klappt?“ Und wie das geklappt hat! Von diesem Moment an ging kein Kacka (ok sind wir realistisch… 97 % ) mehr in die Windel.  Ich habe mit den Standardsituationen angefangen. Nach dem Stillen, nachdem er im Tuch oder in der Trage war und nach dem Schlafen. Ich war begeistert. Nach wie vor halte ich in diesen Standardsituationen ab und immer dann, wenn er mir kommuniziert, dass er jetzt dringend mal muss.

Das kann er sehr deutlich und ich gebe zu, manchmal stehe ich etwas auf der Leitung, bis auch bei mir endlich mal der Groschen fällt. Damit erspare ich uns viele Schreistunden. Denn er macht nicht in die Windel.

Und wenn er es sich ewig verdrückt. Eben so lange bis ich es auch mal verstanden habe. Und ich frage mich… hey, wieso hast du das nicht schon bei der Großen gemacht? Und hingegen aller Vorstellung, dass das ja sicher viel Zeit in Anspruch nimmt, ist genau das Gegenteil passiert.

Anstatt mit meinem Kind durch die Wohnung zu tigern und zu versuchen ihn zu beruhigen, um dann irgendwann festzustellen, dass er Kacka gemacht hat und ihm dann die Windel zu wechseln, zieh ich ihn einfach schnell aus und halte ihn ab.

Und zack ist er entspannt und macht sein Geschäft in unser Asia-Töpfchen*. Das hatte ich mir nachträglich noch gekauft, weil ich die Form so geschickt und angenehm finde. Als Backup eine Mullwindel mit Wollüberhose. Unterwegs halte ich ihn  übrigens  einfach über der „gebrauchten“ Mullwindel ab. Muttermilchstuhl ist ja zu 100% wasserlöslich und die Windel kann so in die Maschine. Für die Zukunft muss ich mir da noch was überlegen ;-). Momentan überlege ich mir die Ausbildung zum Windelfrei-Coach zu machen. Einfach weil ich so überzeugt bin und weil ich alles liebe, was den Kindern und auch den Eltern gut tut und den Alltag einfacher macht. Es ist einfach so natürlich.

Nadja von Windel-Piraten (Stoffwindel-und Trageberatung)

Leonie mit  Tocher (2)

Wir hatten in der Schwangerschaft nur wenig von dem Konzept windelfrei gehört, aber kurz nach der Geburt unseres Kindes war alles so überwältigend, dass wir das wieder vergessen haben. Erst nach circa drei Monaten haben wir uns nochmal eingelesen (zum Beispiel im tollen artgerecht Buch * von Nicola Schmidt) und uns dran gewagt.
Anfangs nur zu Hause haben wir bei Verdacht, wenn unser Baby unruhig wurde oder Drücke-Laute machte, sowie meist nach Tragetuch oder Stillen, die Windel ausgezogen und das Baby über der Toilette oder dem Waschbecken oder einem normalen Töpfchen abgehalten. Nach einiger Zeit hat es immer besser geklappt und viel Urin und fast sämtlicher Stuhlgang gingen nicht mehr in die Windel. Und wenn doch haben wir sie immer Zeitnah gewechselt.

Wir haben nie gelobt oder geschimpft und das Baby nicht gedrängt. Es hatte auch ungefähr drei Mal wochenlang (!) keine Lust aufs Abhalten, was wir natürlich berücksichtigt haben.

Nach einiger Zeit haben wir es dann wieder angeboten und irgendwann hat das Baby wieder Lust gehabt.
Zu Hause war das Baby untenrum oft nackt, sodass es, seit es selbst auf das Töpfchen klettern könnte, auch diese Möglichkeit genutzt hat. Es gab Phasen, da ging 90% ins Töpfchen/Klo und Phasen, in denen es umgekehrt war. Draußen haben wir unser Kind einfach im Gebüsch abgehalten, aber nur wenn es gut möglich war, sonst haben wir halt bei nächster Gelegenheit gewickelt. Nachts hatte es recht schnell keine Lust auf abhalten, das haben wir dann gelassen.

Unser Kind ist mit eineinhalb dann fast für jeden Stuhlgang auf die Toilette gegangen und vor dem zweiten Geburtstag irgendwann abends immer nochmal aufgewacht, wenn es Pipi wollte. So haben wir dann die Nachtwindel als erstes weggelassen und dann mit zwei gefragt, ob es lieber Unterhosen will.

Dies hat es sofort bejaht und seitdem ist das Kind trocken. Wir denken, dass die “Elimination Communication“ (unser Kind war nie „windelfrei“ im wörtlichen Sinne) positiven Einfluss auf die Wahrnehmung der eigenen Ausscheidung hat und somit das Trockenwerden erleichtert hat. Die Umstellung war viel kleiner, als ich sie bei reinen Windelkindern im Bekanntenkreis erlebe. Kein Toilettentraining, kein Loben, kein ständiges Erinnern. Es war super entspannt und unkompliziert für alle Beteiligten. Wir hatten keine besondere Kleidung oder Windeln, sondern ganz normale Stoffies (All-In-Three oder Wollsnap mit Einlagen) und Pumphosen. Aber es war nie unser Ziel, dass gar nichts in die Hose geht. Nur, dass das Baby sich möglichst wohl fühlen kann.

Maja mit Henry (4 Monate)

Schon lange vor der Geburt meines zweiten Sohnes stand für mich fest, dass wir mit Stoffwindeln wickeln. Meine Hebamme fand das sehr schön und fragte mich dann gleich am dritten oder vierten Tag nach der Geburt beim Wochenbettbesuch, ob ich denn abhalte. Ich muss sagen, ich hatte zwar von Windelfrei und Abhalten gehört, aber irgendwie konnte ich es mir nie so richtig vorstellen, schon gar nicht mit einem Neugeborenen. Also zeigte meine Hebamme mir die Abhalteposition, bei welcher der Oberkörper des Kindes an meinen gelehnt ist und ich die Kniekehlen mit meinen Händen anhebe. Am nächsten Tag startete ich dann das Projekt „Abhalten“ und siehe da, er pullerte ins Waschbecken! Voller Begeisterung hielt ich meinen Sohn nun immer beim Windelwechsel übers Waschbecken oder das Töpfchen von meinem älteren Sohn.

Ziemlich schnell merkte ich, dass zu bestimmten Zeiten fast immer etwas kam: Nach dem Stillen & nach dem Schlafen

Da es in unserer Dachwohnung in diesem Sommer unheimlich warm wurde, ließ ich mein Baby sehr oft ohne Windel liegen. Beim Beobachten merkte ich, dass es manchmal Anzeichen gab, welche auf demnächst kommenden Stuhlgang oder Pipi, hinwiesen:

Pipi: plötzliches Meckern, obwohl ausgeschlafen und satt

Kacka: er wird ganz still und ruhig, guckt in die Ferne

Diese Erkenntnisse gewann ich im ersten Lebensmonat und seitdem halten mein Freund und ich sehr viel ab. Zuhause benutzen wir meistens ein wunderschönes Emailletöpfchen (plastikfrei) und als Unterlage für die häufigen Nacktstrampelzeiten eine gefettete Wollunterlage (kbt). Wenn wir draußen Unterwegs sind halte ich ihn übers Gebüsch ab, für Aktivitäten drinnen, z.B. Pekip und Rückbildungskurs, habe ich mir zwei faltbare Schüsseln bestellt. („Faltbarer Teller*“ oder „Reise-Hundenapf*“).  Mittlerweile ist mein Sohn drei Monate alt und wir haben unseren „Windelfrei-Weg“ gefunden: Wir halten ab, so oft es geht, aber nur wenn es auch die Situation hergibt. Ein festes Zeichen/Geräusch haben wir nicht.

Allerdings habe ich gemerkt, dass ich nicht nach zehn Sekunden schon aufhören sollte ihm es anzubieten, wenn nichts kommt. Manchmal dauert es ein bis zwei Minuten, bis er sich entspannt und sich dann auch entleeren kann.

Die Reaktion von Freunden, Familie und allen anderen war am Anfang skeptisch, aber zugleich auch neugierig. Ich erkläre dann immer, wieso ich abhalte (entspannte Hock-Position, Sauberhalten des eigenen „Nestes“) und meistens sind alle sehr überrascht, wie gut es funktioniert.

Katharina mit Sohn (9 Monate)

Jahre bevor mein Sohn auf die Welt kam, durfte ich einer Freundin beim Wickeln ihres Sohnes zusehen. Sie riet mir – sollte ich einmal einen Sohn haben – immer ein Papiertaschentuch über das Geschlecht zu legen, sobald ich dem Jungen die Windel ausziehe, da kleine Jungs sofort „losstrullern“, wenn ein laues Lüftchen sie streift. Irgendwie ist mir dieser Rat im Gedächtnis geblieben. Schließlich bekam ich tatsächlich einen wunderbaren Sohn. Leider musste er kurz nach seiner Geburt auf die Neugeborenen-Intensivstation. Dort wird nur alle paar Stunden gewickelt, damit die Pfleger/innen mit ihrem Pensum durchkommen. Wann immer ich ihn also wickeln durfte, nutzte ich den Rat meiner Freundin – nur anders als dieser gemeint war:

Ich pustete den Kleinen immer an, sobald die Windel geöffnet war, so dass er sich noch einmal auf die alte Windel erleichtern konnte. Auf diese Weise, so dachte ich, bleibt ja die neue Windel länger trocken. Auch zu Hause tat ich dies weiter.

Ich ließ meinen Sohn auch mal tagsüber ohne Windel, um zu sehen, zu welchen Gelegenheiten er seine Geschäfte erledigt. So stellte ich beispielsweise fest, dass er nie während des Mittagsschlafs uriniert, aber direkt danach. Ich nutzte dieses Wissen und so blieben einige Windeln am Tag trocken. Zudem hat mein Sohn sehr empfindliche Haut, weswegen Stuhl nie lange in der Windel bleiben darf. Sehr schnell erkannten wir die Zeichen für ein großes Geschäft (zusammengezogene Augenbrauen, gekräuselte Lippen…) und wann immer er diese zeigt, halte ich ihn ab. Nun ist mein Sohn bald neun Monate alt und es hat sich bei uns folgender Rhythmus eingependelt:

Tagsüber halte ich ihn jedes mal ab, wenn ich die Windeln wechsle. Insbesondere nach dem Vor- und Nachmittagsschlaf und dem Essen. Ich brauche nicht mal mehr etwas zu sagen, er weiß schon Bescheid und „lässt es laufen“, wenn er soweit ist. Wickle ich unterwegs, ist meist ein Waschbecken in der Nähe, in welches ich abhalte. Tagsüber krabbelt er dann auch einige Stunden ganz ohne Windel durch die Wohnung, wobei ich ihm immer wieder die Möglichkeit gebe, sich zu erleichtern. Bei großen Geschäften, halte ich ab, sobald er Zeichen gibt und es klappt in 90% der Fälle einwandfrei (bei 10% stecken wir meist mit dem Auto im Verkehr). Mein Mann ist ebenfalls großartig im Abhalten unseres Sohnes und ich bin sehr froh, dass wir beide die Ausscheidungskommunikation mit unserem Sohn von Anfang an gemeinsam ausüben.

Wir brauchen nicht viel, um „teilzeitwindelfrei“ zu sein: Anfangs ließ ich meinen Sohn seine Geschäfte auf die geöffnete alte Windel verrichten, dann ins Waschbecken und seit dem sechsten Monat nutzen wir ein kleines Töpfchen, dass auf dem Waschbeckentisch im Bad steht (so kann ich ihn rückenschonend darauf setzen und festhalten). Wenn der Kleine tagsüber ohne Windel unterwegs ist, kriegt er ein paar selbstgenähte Unterhosen an, damit nicht aus Versehen doch ein mildes Lüftchen ihn animiert. Und wenn mal etwas auf den Boden geht, ist das auch nicht schlimm. Ich wische einfach hinter ihm her.

Wichtig ist mir insbesondere, dass „windelfrei“ nichts mit dem Disziplinieren eines Kindes zu tun hat. Im Gegenteil: Das Kind wird damit auf Augenhöhe mit seinen Bezugspersonen gebracht, seine Signale werden wahrgenommen und gehört, wann immer möglich.

Es soll kein Stress sein, weder für das Kind noch für die Erwachsenen, sondern die Bindung zum Kind stärken.

Helena mit Keno (10 Monate)

In der Schwangerschaft las ich das Buch Es geht auch ohne Windel* und sah Freunden zu, wie wunderbar bei Ihnen das Ganze klappte.

Mit dem Abhalten haben wir angefangen, als er fünf Wochen alt war. Bis dahin schaute ich zu, was für Mengen Windeln Müll ich produzierte und wollte sofort damit aufhören.

Zuerst haben wir nur Zuhause abgehalten, wenige Wochen später auch unterwegs. Ein Asia-Töpfchen* war goldwert und der Kleine war viel entspannter. Unentspannter  ist es geworden, als er laufen wollte, da blieb keine Zeit zum Abhalten, er war nur noch unterwegs. Heute halten wir mal ab, mal nicht… wenn er sich meldet oder wenn ich merke, dass er muss. Ohne Druck ohne Stress. Mit ein paar Wollwindeln und Waschlappen im Gepäck = back to the roots.

Julia mit Noah (3 Jahre)

Kurz nach der Geburt unseres Sohnes befasste ich mich mit dem Thema Windelfrei.

Ich hatte es bisher als etwas zu Öko abgetan, aber unser  high-need Kind war da ganz anderer Meinung.

Für das Unwohlsein unseres Kindes haben wir viele Erklärungen und Lösungswege gesucht, denn wir hatten eine tolle Schwangerschaft, eine entspannte Geburt und viel Ruhe Zuhause. Daran konnte es also nicht liegen. Aufmerksam wurde ich als ich merkte, dass die Windel oft trocken war, bis ich sie wechselte/ich dachte dass sie nun nass sein müsste und dann prompt im Freien gepinkelt wurde. Das Schreien war dann auch sofort vorbei. Wir kombinierten: Er will sich nicht einnässen! Zumindest nicht immer.

Also wurden die Nächte abenteuerlich: Im Bett abhalten wollte er nicht: Gemecker. Im Bad auch nicht. Also gingen wir aus Verzweiflung (irgendwann macht man alles…) auf den Balkon und hielten ihn über die Blumen: Tadaa! Das wars! Er wollte unser Nest nicht beschmutzen.

So kam es, dass das Baby vom zweiten bis zum vierten Monat nachts keine Windeln an hatte und wir den Balkon besuchten. Das klappte hervorragend. Zur Sicherheit gab es unter dem Bettbezug noch eine wasserdichte Betteinlage*. Übrigens haben wir kurz auch Wegwerfwindeln und Trockenfleece probiert, in der Hoffnung, dass es was mit dem Nässegefühl zu tun hat. Hatte es nicht. Es war ganz klar der Impuls der abgefangen werden wollte.

Plötzlich wurde aber auch das Windelwechseln zur Tortur, mit gerade mal vier Monaten ging nichts mehr, er wollte nicht gewickelt werden, wollte sich aber auch nicht einnässen. Tagsüber, besonders dann im Krabbelalter, hat uns hier Windelfreikleidung sehr geholfen, bei der man das Backup bei Nässe tauschen konnte ohne das Kind beim Entdecken zu stören oder auf den Rücken legen zu müssen wie einen Maikäfer.

Dann kam er in eine andere Phase und alles war egal. Windeln 24h und die Abhalteposition hat ihn sauer gemacht. Mit knapp zwei Jahren wurde die Nachtwindel dann komplett abgelehnt und wir sind mit unserem Nässeschutz unter dem Bettlaken wieder auf seine Bedürfnisse eingegangen. Diesmal mit Töpfchen neben dem Bett, das stand sowieso immer in der Wohnung oder neben der Toilette. Da das aber nachts zu unbequem und kalt war und die Balance fehlte, durften wir doch ab und zu aktiv abhalten. Mit zwei Jahren war er dann 24h trocken: Wir erweiterten nach seiner Vorgabe tagsüber immer wieder die Intervalle ohne Windel. Ich betone hier ganz deutlich: Immer in Absprache mit ihm, es war sein Wunsch.

Was willst du? Sollen wir eine Windel mitnehmen? Willst du eine anziehen? Das Nachfragen der Bedürfnisse auf Augenhöhe hat er uns schon ganz früh beigebracht und das hat sich bis heute nicht geändert.

Nur sind es heute nicht mehr die Windeln, sondern andere Bereiche. Die Zeit hat uns gezeigt, dass wir es ab Tag eins mit einem kleinen, aber sehr kompetenten Wesen zu tun haben, dass seine Bedürfnisse äußert, besonders dann wenn es sich wahrgenommen fühlt.

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